Stellungnahme des Bündnisses für Demokratie und Menschenrechte
zur Presseberichterstattung
über die Kundgebung “FÜR ZUSAMMENHALT, RESPEKT UND VERANTWORTUNG! GEGEN SPALTUNG UND HASS“ am 23. 11.2025 in Hechingen
Die Kundgebung auf dem Hechinger Obertorplatz anlässlich des Landesparteitags der AfD BaWü brachte viele demokratiebewusste Bürgerinnen und Bürger der Hechinger Stadtgesellschaft und aus anderen Teilen Baden-Württembergs auf die Beine.
Wir erlebten eine äußerst gelungene Kundgebung auf einem sehr belebten Obertorplatz, mit einem bunten und vielfältigen Bühnenprogramm, mit vielen außerordentlich beeindruckenden Rede-, Lied- und Textbeiträgen.
Die Presseberichterstattung am Montag, 24.11. zeichnete bedauerlicherweise ein gänzlich anderes Bild vom Geschehen. Dadurch wurde folgender Eindruck vermittelt:
a) Es war eigentlich kaum jemand da, teilgenommen haben maximal 400 Leute.
b) Es waren vor allem Mitglieder der Antifa oder der MLPD, aber keine Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft anwesend.
c) Die „Hauptrednerin“ erklärte, dass solche Veranstaltungen eigentlich nichts bringen.
d) Friedlich blieb es nur wegen der starken Polizeipräsenz vor Ort.
e) Das Bühnenprogramm war zwar professionell, aber „man hat sich in das letzte Jahrhundert“ zurückversetzt gefühlt.
Dieser Eindruck ist durch die unausgewogene, teilweise unrichtige und sehr verkürzte Berichterstattung entstanden, der wir entschieden widersprechen.
Wir stellen richtig:
ad a) Es war eigentlich kaum jemand da, teilgenommen haben maximal 400 Leute.
Bekanntlich ist es schwer, die Zahl einer großen Menschenmenge abzuschätzen. Vor allem dann, wenn man sich keinen Überblick von oben verschafft. Die Polizei hat sich diese Mühe wohl nicht gemacht, ihre Drohne blieb, wie der Zeitung zu entnehmen, am Boden. Wir hingegen hatten aus den oberen Etagen des Refugio einen sehr guten Überblick. Unabhängig voneinander haben wir die Menschen auf dem Platz zweimal sorgfältig gezählt. Und kamen beide Male auf 1100 bis 1200 Menschen.
Nur mit dieser Teilnehmerzahl lässt sich auch erklären, dass bei der Unterschriftenaktion, die das Refugio an diesem Tag gegen die Abschiebung eines gut integrierten Bewohners durchführte, über 660 Teilnehmende unterschrieben haben.
Weiterhin sprechen für diese Teilnehmerzahl ca. 2900,- Euro an Spenden, die an diesem Tag zur Deckung unserer Unkosten gesammelt wurden. Die angeblich nur 400 Teilnehmern hätten schon sehr spendenfreudig sein müssen!
Schade, dass die Presse mit der Mär von angeblich nur 400 Teilnehmerinnen den AfD-Spott über das "kleine Häuflein" noch unterstützt hat. Wir Demokraten sollten uns nicht gegenseitig klein machen, nicht zuletzt aus dem Grund, dass genau dies die AfD intendiert: Spaltung und Störung, wo es nur geht.
ad b) Es waren vor allem Mitglieder der Antifa oder der MLPD, aber keine Menschen aus der Mitte unserer Gesellschaft anwesend.
Wer sich etwas in unserer Stadtgesellschaft auskennt, konnte am Nachmittag bei der Hauptkundgebung eine Menge bekannter Gesichter entdecken. Der Hechinger Bürgermeister Phillip Hahn und Stefan Hipp, Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion wurden beide explizit von der Bühne aus begrüßt. Dabei war auch Werner Beck, Vorsitzender der Stadtratsfraktion der Freien Wähler. Jürgen Fischer, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, moderierte mit Leonie Schneider-Loye souverän die Kundgebung. Almut Petersen, Vorsitzende der Stadtratsfraktion der Bunten Liste, managte im Refugio die Versorgung der vielen Kundgebungsteilnehmerinnen und - teilnehmer mit warmem Essen und Getränken. Matthias Linckersdorff von der FDP konnte leider nicht teilnehmen, wünschte aber in einer Mail an die Veranstalter der Kundgebung ein gutes Gelingen. Weitere aktive Stadträtinnen und Stadträte packten entweder im Refugio mit an, hatten sich als Ordner gemeldet oder waren als Teilnehmer auf dem Platz. Viele weitere bekannte Gesichter aus der Hechinger Ärzte- und Lehrerschaft, dem Hechinger Einzelhandel und dem Hechinger Vereinsleben rundeten das Bild ab.
Müssen wir daher annehmen, dass der Lokalreporter keinen dieser Menschen kannte? Eilte er deswegen zu dem alten Mann mit der Baskenmütze, der hinten auf dem Platz einsam seine MLPD-Fahne schwenkte, um diesen zu interviewen?
ad c) Die „Hauptrednerin“ erklärte, dass solche Veranstaltungen eigentlich nichts bringen.
Offensichtlich war dem Lokalreporter auch Cindy Holmberg, MdL und Abgeordnete der Grünen in unserem Wahlkreis, nicht bekannt. Er musste sich erst mit der Personenbeschreibung „langer, schwarzer Mantel und kurze, blonde Haare“ auf die Suche nach ihr begeben. Als wenn dies nicht peinlich genug wäre, erklärte er Frau Holmberg dann auch noch zu unserer Hauptrednerin, was nicht stimmte. Und deutete dann noch ihre Worte, die sie - wir haben nachgefragt - so nicht gesagt hatte, in der Weise, dass eine solche Veranstaltung nichts bringe. Genau das Gegenteil ist richtig, was man u. a. auch daran erkennt, dass die AFD sehr genau solche Protestkundgebungen zur Kenntnis nimmt.
ad d) Friedlich blieb es nur wegen der starken Polizeipräsenz vor Ort.
Gleich zu Beginn der Veranstaltung wurde von Jürgen Fischer, Mitglied des Bündnisses, eine Erklärung zur Gewaltfreiheit verlesen, in der in deutlichen Worten um eine friedliche Teilnahme an der Kundgebung gebeten wurde. Sie finden diese Erklärung, die vom Bündnis im Vorfeld erarbeitet und so Wort für Wort verlesen wurde im Anhang. Leider hat die Presse hier wohl nicht genau zugehört.
ad e) Das Bühnenprogramm war zwar professionell, aber „man hat sich in das letzte Jahrhundert“ versetzt gefühlt.
Diese im Ansatz positive Beschreibung unseres Bühnenprogramms wurde in der Presse gleich wieder einkassiert durch die missverständliche weitere Beschreibung „man habe sich in das vergangene Jahrhundert zurückgesetzt gefühlt“. Was soll mit dieser saloppen Bemerkung eigentlich ausgedrückt werden? Sie ist schlicht eine Abwertung und Verächtlichmachung des Bühnenprogramms.
Inhaltlich fand keine weitere Auseinandersetzung mit den hervorragenden Beiträgen der anderen Rednerinnen und Redner statt. In seinem Leserbrief vom 27.11.2025 holte Hannes Reis dieses Versäumnis nach. Wir stellen Ihnen diesen und weitere Leserbriefe im Anhang gerne zur Nachlektüre bereit.
In den zahlreichen Gesprächen nach der Kundgebung erfuhren wir viel Anerkennung und Wertschätzung. Dafür sind wir sehr dankbar. Es motiviert und ermutigt uns, im Hechinger Bündnis für Demokratie und Menschenrechte weiterzuarbeiten.
Wir sind zuversichtlich, dass in der besinnlichen Advents- und Weihnachtszeit in der aktiven Stadtgesellschaft, im Bündnis für Demokratie und Menschenrechte und bei allen, die es unterstützen, neue kreative Ideen reifen, die im Kontext des Landtagswahlkampfes sichtbar und wirksam werden.
Für die zukünftige Berichterstattung über zivilgesellschaftliche politische Ereignisse wünschen wir uns eine sorgfältigere Recherche und eine fundiertere Berichterstattung.
Hechingen, 30.11.2025
Anhänge:
1. Erklärung zur Gewaltfreiheit, verlesen von Jürgen Fischer zu Beginn unseres Bühnenprogramms
Wir vom Hechinger Bündnis für Demokratie und Menschenrechte wünschen uns einen friedlichen Ablauf unserer Kundgebung. Wir lehnen jede Form von Gewalt ab. Ob an Personen oder Sachen, und egal von wem oder gegen wen oder gegen was. Darum bitten wir alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen unserer Kundgebung: Haltet euch fern von allen Personen und Gruppen, die auf Konfrontation aus sind. Befolgt unmittelbar den Anordnungen der Polizei und den Aufforderungen der von uns eingesetzten Ordner. Verhaltet euch so, dass morgen in der Zeitung stehen könnte: für die friedliche Kundgebung des Hechinger Bündnisses für Demokratie und Menschenrechte hätte kein einziger Polizist nach Hechingen kommen müssen. Überlasst die hetzerischen und spalterischen Reden der AfD. Unser Widerstand gegen die AFD bleibt friedlich, bunt und entschlossen.